54°32′ N
13°05′ E
Vitte
Hiddensee
1872 Das Haus

Das Haus &
Nikolaus Niemeier.

Erbaut im Sturmjahr 1872. Heimat eines Kuenstlers ab 1918.

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Erbaut im Jahr des Jahrhundertsturms

In der Nacht vom 12. auf den 13. November 1872 traf das schwerste Ostseesturmhochwasser des 19. Jahrhunderts die Kueste von Daenemark bis Pommern. Der Wasserstand stieg auf etwa 3,3 Meter ueber Normalnull, die Wellen erreichten 5,5 Meter Hoehe. Allein in Neuendorf, dem Nachbardorf von Vitte, wurden 52 von 57 Haeusern beschaedigt, alle Fischer verloren ihre Boote. Suedlich von Neuendorf riss das Meer einen 120 Meter breiten und sechs Meter tiefen Durchbruch in die Insel.

In diesem Jahr wurde das Niemeierhaus in Vitte erbaut - mitten in einer Zeit, in der die Insel neu aufgebaut werden musste. Der Sturm war so praegend, dass sein Pegelstand jahrzehntelang als Bemessungsgrundlage fuer den Kuestenschutz an der gesamten Ostsee diente.

Das Wikinger-Gold von Neuendorf

Derselbe Sturm, der die Insel verwuestete, spuelte am Strand von Neuendorf ein aussergewoehnliches Fundstueck frei: den Hiddenseer Goldschmuck, 16 Teile mit zusammen 598 Gramm Gold aus der Wikingerzeit, gefertigt um 970 n. Chr. Vermutlich trug eine Adlige aus dem Umfeld des dänischen Koenigs Harald Blauzahn diesen Schmuck. Heute wird er im Kulturhistorischen Museum Stralsund gezeigt, sein Versicherungswert liegt bei ueber 70 Millionen Euro. Wer am Strand von Hiddensee nach einem Sturm spazieren geht, findet bis heute Bernstein - manchmal mehr.

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Nikolaus Niemeier, Maler, Dichter, Puppenspieler

Nikolaus Niemeier wurde am 25. Mai 1876 in Altona geboren. Er studierte an der Hamburger Kunstgewerbeschule, danach in Paris im Kreis um das Café du Dôme und schliesslich an der Berliner Akademie der Kuenste. Im Ersten Weltkrieg wurde er an der Westfront schwer verwundet und zog seither das rechte Bein nach.

1918 erwarb er das Fischerhaus am Norderende 90 in Vitte - das Niemeierhaus. Bis 1932 war es sein Lebensmittelpunkt, auch wenn er ein Atelier in Berlin-Steglitz behielt. Niemeier war fuenfmal verheiratet, hatte vier Kinder und veroeffentlichte 1925 den niederdeutschen Gedichtband "De Sternseier". Wirtschaftlich schwierige Zeiten ueberbrueckte er unter anderem mit Puppenspielen fuer Kinder.

Historisches Foto folgt
"Ueber 1200 Rosen, freihaendig, ohne Bezahlung."

Im Fruehjahr 1922 erzaehlte der Inselpastor Arnold Gustavs Niemeier von den finanziellen Schwierigkeiten bei der Renovierung der Inselkirche in Kloster. Niemeier bot an, die Ausmalung kostenlos zu uebernehmen. Freihaendig, ohne Schablone, ueberstreute er das hoelzerne Tonnengewoelbe der Kirche mit mehr als 1200 grossen und kleinen Rosen.

In einem Brief vom Maerz 1922 schrieb er, sein Werk solle "Freude geben" und das "schwere Leben leicht und schoen" machen. Der Rosenhimmel von Hiddensee ist seither das Wahrzeichen der ueber 100 Jahre alten Inselkirche - eine fuenfminuetige Radtour vom Niemeierhaus entfernt. Eine grosse Restaurierung sicherte das Kunstwerk 2008 fuer die Zukunft.

Inselkirche Hiddensee →
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Hiddensee, die autofreie Insel

Seit 1927 ist privater Autoverkehr auf der gesamten Insel verboten - eine der fruehesten und bis heute konsequentesten Regelungen dieser Art in Deutschland. Wer ankommt, laesst das Auto in Stralsund oder Schaprode zurueck und kommt per Faehre. Auf der Insel bewegt man sich zu Fuss, mit dem Fahrrad oder, fuer Gepaeck, mit der Pferdekutsche.

Vitte liegt zentral auf der 16,8 Kilometer langen Insel, nur wenige Minuten vom Bodden im Osten und vom offenen Ostseestrand im Westen entfernt. Heute leben noch knapp 900 Menschen auf Hiddensee, die meisten in Vitte. Die Insel gehoert zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und wird wegen ihrer besonderen Lichtverhaeltnisse manchmal "Insel des Lichts" genannt.

Das Niemeierhaus selbst erleben

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